Das Tiefdeutsche Trauerspiel

Neuer Akt, alte Szene

Seit dem frühen Freitagmittag beschäftigt mich dieser Artikel.
In einem Blog fand ich neulich die Ansicht vertreten, die historische Schuld der Deutschen sei abgegolten, die Nachfahren der damaligen Mörder sollten sich nicht weiterhin in kollektiven Schuldkomplexen selbst gefangen nehmen, sie sollten sich nun stattdessen, so der Schreiber, ihrer politischen Verantwortung für das Heute bewusst werden. Es war ein Kommentar auf einen Artikel, der deutsche Waffenlieferungen an Israel anprangerte – es ging speziell um atomwaffenfähige deutsche U-Boote – und der Kommentator – kein Landsmann – deutete an, er sähe in diesem eindeutig kontrapunktivem Beitrag zu den Friedensbemühungen im Nahen Osten Anzeichen für die Lähmung der öffentlichen Meinung eben durch diesen weiterhin wirksamen Schuldkomplex.
Ich ging mit gemischten Gefühlen aus der Lektüre – einerseits war es angenehm, von einem „Ausländer“ nicht mit dem Verweis auf einstige Schuld von folgender Verantwortlichkeit für das Weltgeschehen ausgenommen worden zu sein – wer kann uns Absolution erteilen, wenn nicht unsere Opfer?  – andererseits hatte ich aber gleichzeitig das unbestimmte Gefühl, ein Freispruch gebühre uns nicht.
Lange hielt dieses Unentschieden nicht. Wenige Stunden dannach wurde im Radio erinnert an die ausländerfeindlichen Sprüche eines ehemaligen im brandenburgischem Ministerium, nun im Bankenvorstand Regierenden, kommentiert nun lediglich mit lauen an die „Wahl der Worte in gehobener Stellung“ mahnenden Rügen bis hin zu tastend-zustimmenden Relativierungen; keiner wollte einem Bezug zu den bald darauf folgenden Übergriffen auf die von ihm angefeindeten Minderheiten herstellen, nicht ein Verweis auf die ebenso nicht-produzierende Profession des ehemaligen Finanzministers, nun von seinem Posten enthobenen und dennoch bei der Deutschen Bank verbleibenden Aufsichtsratmitglieds ging durch die Medien.
Freitag mittag folgte nun die Ansage von Greenpeace, der radioaktive Abfall aus deutschen Atomkraftwerken lagere in vor sich hinrostenden Tonnen unter freiem sibirischen Himmel. Die Nachrichten brachten kurz darauf die selbstzufriedenen dünnen Rechtfertigungen deutscher Verantwortlicher, und dieser Brustton der Überzeugungslügner weckte in mir die Erinnerung an die kalt-zynische Visage eines anderen leblosen Schreibtischtäters, der sich mächtig aufplustert, wenn jemand seine Göttlichkeit zu hinterfragen sich anschickt. Erinnern Sie sich an Rudolf Scharping?
Der war Verteidigungsminister, als Deutschland zum ersten Mal nach Ende des Weltkriegs wieder selbst zur Kanone griff.  Der, wie das erste Mal auf Frau, mit seiner Prinzess im Whirlpool tollte, während seine Mannen, von seinen Lügen aufgestachelt, im Kosovo Bomben warfen? Sie wissen nichts von Lügen? Andere wissen davon schon – dass er „Berichten“ glaubte, die von Massakern der Serben gegen die Kosovo-Albaner kündeten, obwohl ihm Augenzeugen seiner Berater anderes flüsterten? Der dickzungig mit feist unbewegtem Pokerface dennoch seine „Empörung“ über serbische Mordtaten in die Kameras stakkatierte, viele Leben weit weg mit seinen Gedanken? Oder Joschkas eingeschnapptes Gesicht, als ihm, den Aussenmister und „Grünen“, die Farbeier der Kriegsgegner blutrot färbten? Oder Schröder, teddybärenhaft verkündend: Wir hingegen führen keinen Krieg!  Wie die sich förmlich selbst glaubten, solange wir ihnen glaubten oder keine weiteren Fragen hatten?
Seit dem frühen Freitagmittag beschäftigt mich dieser Artikel. Mir fielen „Deutschlands Verteidigung am Hindukusch“ ein und der anderenorts als bewiesen geltende Fakt, dass wir hier an einem Massenmord neuester, durch seine fehlende Offensichtlichkeit im Alphastrahlenbereich gut leugbaren und dennoch hocheffektiven Art teilnehmen; nur nebenbei, aber wie zur Tilgung der letzten Hoffnung von wiedererreichter Unschuld, registrierte ich, dass die Idee, hilflos klein aussehende Geschosse – die alliierten Amerikaner tarnen sie als Spielzeug, dass Kinder sie aufheben – mit Uran anzureichern, möglicherweise auf unser letztes Großes Reich zurückgeht.
Zweieinhalb Tage ist der Anlass nun schon alt, den Greenpeace mit seinen Erkundungen bot, an eine andauernde deutsche Schuld bei der Ermordung der Weltbevölkerung und gezielten Vernichtung des Planeten zu erinnern; Zeit, endlich zu veröffentlichen – aus anderen Medien ist er bereits wieder verschwunden.

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